Radfahren in Iserlohn - Nachbetrachtung des ADFC Iserlohn zum FKT 2020

 

Wie fühlt es sich eigentlich an in Iserlohn radzufahren? Habe ich dabei ein sicheres Gefühl? Wie sind die Wege, wie der Verkehr? Frage 28 des Fahrradklimatest bot an, darauf in freier Beschreibung zu antworten. Wir haben alle Antworten ausgewertet.

 

Das Rad braucht seinen Platz im Verkehrsraum! © ADFC

In einem ersten Statement Mitte März haben wir vom ADFC Iserlohn bereits zu den Ergebnissen des ADFC-Fahrradklimatestes 2020 Stellung bezogen. Dieses wurde kurzfristig von uns gefordert und basierte auf den damals vorliegenden ersten Erkenntnissen. Zwischenzeitlich hat sich dann eine kleine ADFC-Expertengruppe um Werner Kroll, Bodo Mebes, Franz-Josef Knur und anfänglich auch Ulrich Pagenstecher das umfangreiche Ergebnismaterial in aller Ruhe vorgenommen und ohne Zeitdruck ausgewertet. Hier legen sie nun ihre interessante Nachbetrachtung vor:

Man kann Mobilität als die selbstbestimmte, gleichberechtigte Fähigkeit, sich von A nach B zu bewegen, definieren. Von diesem Zustand ist der Fahrrad-Verkehr in Iserlohn noch weit entfernt. So könnte man den Tenor der zahlreichen Äußerungen im Fahrrad-Klimatest 2020 zusammenfassen. Eine überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden sieht sich selbst in einer Situation der Bevormundung und Benachteiligung gegenüber allen übrigen Verkehrsarten, angefangen vom ein- und zweispurigen Kraftverkehr bis zu den Fußgänger:Innen, mit denen sie auf weiten Strecken die Flächen teilen müssen. Dazu kommen noch Verkehrsregelungen oder bauliche Hindernisse, die Radfahrende auch im Verhältnis zu anderen Verkehrsteilnehmern benachteiligen.

Radfahrende beklagen vor allem, dass sie zwar als Fahrzeugführer:Innen eigentlich die Fahrbahn benutzen sollten, ihnen dies aber durch zum Teil aggressiven Kraftverkehr jedoch erschwert und sogar unmöglich gemacht wird. In der Summe sind die Schilderung in der Frage 28 des Testbogens ein einziger Ruf nach der Anerkennung des Radverkehrs als die Verkehrsform, die in der Stadt, auf dem Lande bis ca. 10km, und vor allem im Berufsverkehr die schnellste, schadstoffärmste und gesündeste Fortbewegungsart ist.

Da freiwillige Rücksichtnahme auf die Schwächeren höchstens bei Berufsfahrer:Innen zu erwarten ist, braucht das Fahrrad eigene Flächen und Räume. Die Befragung hat jedoch ergeben, dass solche geschützten Bereiche mit entsprechenden Regelungen selbst im Umfeld von Schulen und Kindergärten nahezu unbekannt sind. Iserlohn hat auf diesem Feld, wie ganz NRW, erheblichen Nachholbedarf. Meist lösen erst tödliche Schulwegunfälle  reaktive Maßnahmen der Schulaufsicht aus, ohne nachwirkenden Effekt auf den Alltag: „Es muss erst etwas passieren, damit etwas geschieht.“

In den Äußerungen der Teilnehmenden finden sich viele Elemente, die unter dem Begriff „Stadt und Straße als Verortung sozialer Begegnung“ zusammengefasst werden können. Dies bedeutet, dass Menschen aus allen Stadtteilen (und dem benachbarten Umfeld) mit dem Fahrrad in die Innenstadt fahren wollen, um dort zu arbeiten, etwas zu konsumieren, sich zu bilden, zu flanieren oder sich zu unterhalten. Die vielfach geschilderten Bedingungen werden jedoch oft als Hindernisse bei der Verwirklichung dieser Daseins-Grundfunktionen empfunden. Die Gründe sind immer wieder die Gleichen: fehlende, ungeeignete, verwahrloste und gelegentlich sogar Gefahr erzeugende Radverkehrswege und Abstellanlagen.

Und eigentlich sollte das Ergebnis des FKT 2020 auch auf die Tagesordnung des Verkehrsausschusses der Stadt Iserlohn (der Stadtspiegel berichtete) und dort diskutiert werden. Leider ist es bis heute dazu noch nicht gekommen, der Grund ist uns unklar.

Deshalb werdern wir vom ADFC Iserlohn die Situation vor Ort aufmerksam beobachten und allen Betroffenen und beruflich damit Befassten unsere Unterstützung, unserere Erfahrung und unseren Rad-Sachverstand anbieten, um das Radfahren in Iserlohn für alle sicherer und "benutzerfreundlicher" zu gestalten. 

Anmerkung:

Artikel erschien im IKZ, Ausgabe Iserlohn am 06.05.2020

 


https://maerkischer-kreis.adfc.de/neuigkeit/radfahren-in-iserlohn-nachbetrachtung-des-adfc-iserlohn-zum-fkt-2020-1

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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